Geschichte

Die Entwicklung der Stadt bis 1945

Dillingen/Saar blickt auf eine über 2000 Jahre alte Geschichte zurück. Die Spuren der Vergangenheit tauchen immer wieder im Stadtbild auf. Die Anfänge liegen in den Jahren 58 bis 51 vor Christus, als Gaius Julius Cäser Gallien eroberte, zu dessen Provinz Belgica, das heutige Saarland, gehörte. Die Lage am Fluss war ein geeignetes Gebiet für die Entstehung der gallorömischen Siedlung Contiomagus mit Werkstätten, Kulturanlagen und Gräberfeldern. Relikte dieser Siedlung sind im heutigen Stadtteil Pachten zu finden. Über 200 Jahre lang lebten die Gallorömer im Vicus Contiomagus, bis der Friede im 3. Jahrhundert von Germanenstämmen und Kaisern bedroht wird. Contiomagnus fällt während der fränkischen Invasion um 275. Zwar wurden Teile der Siedlung wieder aufgebaut, Steine der Kultanlagen wurden für den Bau eines Kastells benutzt. Im 4./5. Jahrhundert ging die Herrschaft der Römer dann jedoch endgültig zu Ende, neue Herren waren fortan die fränkischen Merowinger.

Es folgen die Jahrhunderte der Dunkelheit der Geschichtsschreibung. Weder schriftliche noch archäologische Quellen verraten etwas über Menschen und Geschehen. Erste schriftliche Quellen belegen, dass in der 1. Hälfte des 10. Jahrhunderts Dillingen und Pachten zu den Pfarreien gehörten, die nach Mettlach pilgern mussten. Diefflen ist als eines der Dörfer im Nalbacher Tal 1324 erwähnt. Das Mittelalter und die Zeit von der Feudalzeit bis zur französischen Revolution kennen für die drei Dörfer unterschiedliche und wechselnde Zugehörigkeiten. Die drei Dörfer waren im Mittelalter hauptsächlich Bauerndörfer, deren Geschichte kaum Spuren hinterließ. Lediglich für Dillingen lässt sich ein Datum feststellen, das von Bedeutung ist. 1357 wird erstmals das Alte Schloss erwähnt.

Der Dreißigjährige Krieg 1618-1648 und die Erbfolgekriege Ludwigs XIV lassen eine verwüstete Region zurück. Erst 1697 kehrt wieder Frieden ein. Das Schicksal Dillingens wurde 1685 maßgeblich beeinflusst, als Ludwig XIV. dem Marquis Henry Gaspard de Lenoncourt die Erlaubnis erteilte, Eisenhütten, Stahlwerke und Schmelzen zu errichten. Aus dieser Anfangsproduktion wächst das Weltunternehmen Dillinger Hütte. Im 18. Jahrhundert bleibt Dillingen zunächst noch ein vorwiegend ländliches Dorf trotz der sich entwickelnden Industrie. An der Prims wird 1757 eine Papiermühle errichtet. 1766 geht der Besitz Lothringens an Frankreich über. Die Dillinger sind nun nicht mehr Untertanen des Herzogs von Lothringen, sondern des französischen Königs. Der erhebt Dillingen 1789 zum französischen Herzogtum mit Fürst Ludwig von Nassau-Saarbrücken, seiner zweiten Gemahlin, der bürgerlich geborenen Katharina Kest, und deren Kindern, als Herzöge und Herzoginnen von Dillingen. Die Französische Revolution beschert dem Herzogtum ein frühzeitiges Ende. 1815 werden Dillingen, Diefflen und Pachten aufgrund der Beschlüsse des Wiener Kongresses preußisch.

Der enorme Aufschwung Dillingens zu einer modernen Stadt beginnt in den letzten Jahren des 19. Jahrhunderts. Mit der anlaufenden Lieferung von Schiffsblechen durch die Hütte an die kaiserliche Marine wächst die Zahl der Beschäftigten und damit die Zahl der Einwohner Dillingens. Eng verbunden mit dem Wachstum der Gemeinde ist die Verbesserung der Infrastruktur. Ein Krankenhaus entsteht (1888), eine erste elektrische Straßenbeleuchtung wird geschaltet (1897) und die Erweiterung des Bahnhofes (1899) wird in Angriff genommen. 1897 wird Dillingen eigenständige Bürgermeisterei. In den folgenden Jahrzehnten bis zum 1. Weltkrieg entwickelt sich die Gemeinde rasant. Ein neues Rathaus (1908) wird erbaut, mit dem Saardom entsteht ab 1913 die größte katholische Kirche an der Saar. Ein Gymnasium (1908) legt den Grundstein für die Bildungsstadt Dillingen. Zahlreiche Wohnbauten zeugen von neuem Selbstbewusstsein und Wohlstand.


Nach dem 1. Weltkrieg wird Dillingen als Teil des Saargebietes unter die Verwaltung des Völkerbundes gestellt. Die Jahre danach bringen Dillingen weiteren Aufschwung und die politischen Kämpfe der Zeit. In den 20er Jahren entsteht eine Synagoge in der heutigen Schlossstraße. 1929 wird die Wallerfanger Brücke eingeweiht, die erste Straßenverbindung über die Saar. Nach der Wiedereingliederung ins Deutsche Reich wird Pachten 1936 - nicht freiwillig- eingemeindet.

Die antisemitische Politik der Nationalsozialisten findet auch in Dillingen und seinen Ortsteilen Anhänger. 1938 brennt die Synagoge, jüdische Mitbürger werden Opfer von Übergriffen. Im Zweiten Weltkrieg litt Dillingen unter einer hohen Zahl von Kriegstoten, Evakuierungen und der Zerstörung von großen Teilen der Industrieanlagen, der öffentlichen Bauten und der Wohnanlagen.