Altes Schloss

Von der lothringischen Wasserburg zum französischen Herzogtum

Das Alte Schloss wird erstmals im 13. Jahrhundert erwähnt. Fundamentfunde lassen den Schluss zu, dass es sich bei diesen Ursprüngen der heutigen Anlage um eine polygonale Wasserburg handelte. Sie wurde von den Herren von Siersberg errichtet, Besitzer der nahe gelegenen Siersburg.
Um 1600 wird die Burg zu einer prächtigen Renaissanceanlage umgebaut. Wenige Jahre später erleidet das Schloss wieder einen Niedergang durch die Kriege und Umwälzungen des 17. Jahrhunderts. Allerdings gründen im 17. Jahrhundert Henry Gaspard de Lenoncourt, der Besitzer des Schlosses und der Herrschaft Dillingen, mit Erlaubnis des französischen Königs Ludwig XIV 1685 die Dillinger Hütte.
Ende des 18. Jahrhunderts erlebt das Alte Schloss als herzogliche Residenz einen Umbau durch Balthasar Wilhelm Stengel (Sohn von Friedrich Joachim Stengel) und nassau-saarbrückische Gartenbauer.
Nach der französischen Revolution erwirbt die Dillinger Hütte die Gebäude und richtet dort Wohnungen für Bedienstete ein.
Der Zweite Weltkrieg zerstört das Schloss.

In einem wiederaufgebauten Flügel des Schlosses bieten anspruchsvolle Räume Platz für Ausstellungen, Konzerte und Vorträge. 


Eine märchenhafte Liebesgeschichte

Am 1. März 1757, wurde in Fechingen in der Bauernfamilie Kest die Tochter Katharina geboren. Nach dem frühen Tod des Vaters geht Katharina Kest als junges Mädchen mit ihrer verwitweten Mutter nach Saarbrücken und tritt dort eine Stelle bei der Mätresse des regierenden Fürsten Ludwig von Nassau-Saarbrücken an. Der Fürst verliebt sich in das junge Mädchen und sie wird bald die offizielle Mätresse des Fürsten und erhält den Titel Freifrau von Ludwigsberg. Zwischen Katharina Kest und Fürst Ludwig muss eine tiefe emotionale Bindung bestanden haben, Briefe und Zeitzeugen bestätigen dies. 1775 wird das erste von sieben gemeinsamen Kindern geboren. 1784 wird Katharina Kest zur Reichsgräfin von Ottweiler erhoben. Nach dem Tod seiner ersten Frau, Wilhemine von Schwarzburg-Rudolstadt,  heiratet Fürst Ludwig 1787 seine Mätresse. Aber der Widerstand der nassauischen Verwandten gegen diese unstandesgemäße Heirat ist massiv. Lösung scheint die Erhebung  in einen Adelsrang,  der so hoch ist, dass die nassauischen Verwandten ihn anerkennen müssen, und damit Katharina als rechtmäßige Ehefrau.  Also kauft der Fürst die lothringische Herrschaft Dillingen und der französische König Ludwig XVI erhebt Dillingen zum Herzogtum. Katharina wird Herzogin von Dillingen, ein Rang, der sie den  Mitgliedern der königlichen Familie Frankreichs und regierenden Fürsten gleichsetzt.  Das Schloss in Dillingen soll als herzogliche Residenz dienen, der fürstliche Baumeister Baltasar Wilhelm Stengel erstellt Umbaupläne für das Gebäude, der Hofgärtner Sckell entwirft die Gartenanlagen. 

Doch die Zeichen der Zeit verhindern ein Happyend. Die fürstliche Familie muss 1793 vor der Revolution fliehen und verliert ihre gesamten Besitztümer. Fürst Ludwig stirbt am 1. März 1794 im Exil und hinterlässt seiner Witwe hohe Schulden. Katharina kämpft bis zu ihrem Tod um die Anerkennung durch die nassauische Familie. 

Der Aufstieg vom einfachen Mädchen zur regierenden Fürstin und der Absturz im Exil lassen Katharina Kest im Alter skurril werden. Für ihren jüngsten und einzig ehelichen Sohn Adolf, lässt sie bis zu ihrem Tod täglich den Tisch decken, obwohl er seit 1812 im Russlandkrieg verschollen ist. Als sie 1829 in Mannheim stirbt, ist sie dort als die Katzengräfin bekannt.

In der saarländischen Landesgeschichte ist sie eine herausragende Persönlichkeit mit einem auch für ihre Zeit außergewöhnlichen Schicksal. Im Trauzimmer des Altes Schlosses ist eine Gipsbüste von Katharina Kest zu sehen.