Baustelle Römermuseum: Ein Blick hinter die Kulissen
Ein Kran vor der Tür, ein Gerüst an der Wand und ein Loch im Dach – ganz offensichtlich wird am Römermuseum in Pachten kräftig gebaut. Doch bis das Museum fertig ist und von Ihnen besucht werden kann, dauert es noch ein wenig. Für außenstehende nicht so gut sichtbar wie die Bauarbeiten an der Außenhülle, sind die Arbeiten hinter den Kulissen. Hier geht es vor allem darum was künftig im Römermuseum ausgestellt wird und wie.
Dabei gibt es in Pachten eine ganze Reihe von Superlativen. Wussten Sie zum Beispiel, dass hier das erste Zeugnis für den Import und Gebrauch von Baumwolle im spätantiken Germanien gefunden wurde? Tatsächlich war Baumwolle in dieser Zeit ein Luxusgut, das aus Indien oder dem arabischen Raum über Alexandria vertrieben wurde. Von dort mussten die Stoffe noch aufwändig auf dem Landweg bis in die römischen Provinzen gelangen.
Als es hier im 4. Jahrhundert immer ungemütlicher wurde, weil das römische Militär die Außengrenzen des Reiches kaum noch verteidigen konnte, hat ein Einwohner des antiken Contiomagus – so hieß Pachten damals – sein Geld in ein Baumwolltuch eingeschlagen und in einem Tongefäß vergraben. Er scheint den Angriff nicht überlebt zu haben, denn sein Münzschatz wurde knapp 1700 Jahre später zufällig entdeckt und an den Münzen hafteten die Baumwollreste.
Ein anderer aufsehenerregender Fund aus Pachten ist eine kleine ägyptische Figur. Sie stellt keine Göttin dar, sondern eine reiche Dame. Entstanden ist das Figürchen zwischen 1200 und 600 v. Chr. und ganz offensichtlich wurden ihr Gesicht und ihr Name bewusst zerstört. Keine leichte Aufgabe bei dem harten schwarzen Basalt, aus dem das Figürchen gemacht wurde. Neben der Frage, was die Frau getan hat, um solchen Hass auf sich zu ziehen, wissen wir auch nicht wie sie überhaupt nach Pachten gelangt ist. Gefunden wurde sie in den 1920er Jahren im Bereich des Kastells. Vielleicht kam sie im Gepäck eines römischen Soldaten her. Er dürfte in ihr möglicherweise die römische Göttin Isis gesehen haben, die gerade unter den Soldaten sehr verehrt wurde. Tatsächlich fanden die Archäologen in Pachten auch eine kleine Bronzefigur der Isis, die heute im Rheinischen Landesmuseum Trier ausgestellt ist. Diese wurde jedoch vor Ort gefertigt und nicht aus Ägypten importiert. Auch der älteste Nachweis für die Ausbreitung des Christentums im Saarland stammt aus Pachten. Der Grabstein, der für einen Jungen namens Ursus gesetzt wurde, ist heute leider verschollen. Er kann jedoch als Kopie in der Kirche St. Maximin besichtigt werden.
Ebenso spektakulär sind die über 150 antiken Sitzsteine, die zu einem Kulttheater gehörten und in denen teilweise Namen eingeritzt sind. Mit einem Augenzwinkern lassen sich diese Namen als antike Variante eines Dauertickets lesen, wird hier doch ein Sitzplatz namentlich reserviert. Aufgrund dieser Namen, können wir wiederum etwas über die Herkunft der Menschen aussagen, die hier vor knapp 2000 Jahren lebten. Der rein materielle Wert der meisten Funde ist gering, aber für die Forschung sind sie ungemein wichtig. Gerade aus ihrem Zusammenhang und Fundort können die Archäologinnen und Archäologen spannende Rückschlüsse auf die Geschichte und Bedeutung des antiken Contiomagus schließen.
Römermuseum Pachten bittet um Mithilfe
Wenn bald die Gartensaison wieder startet und Sie auf Ihrem Grundstück etwas entdecken sollten, oder wenn Sie noch aus einer Erbschaft Funde haben, seien es Tongefäße, Ziegel o.ä., dann geben Sie uns bitte Bescheid. Diese kleinen „Mosaiksteinchen“ helfen uns, das große Ganze des antiken Contiomagus besser zu verstehen und sichtbar zu machen.

Diese ägyptische Skulptur zeigt eine reiche Dame.
Foto: Stadt Dillingen / Julia Schmitt
