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Römisches Pachten

Römisches Pachten

In römischer Zeit blühte der Vicus Contiomagus im Bereich des heutigen Dillinger Stadtteils Pachten. Ein Vicus ist ein dorfähnliches Gebilde, allerdings ohne Verwaltungsaufgaben. Meist handelt es sich um ein kleines lokales Zentrum, in dem Handel und Gewerbe blühen. Geographisch lag der Vicus Contiomagus im mittleren Saartal, im Schutze des Limbergs, an einer Saarfurt, in der Nähe der Mündungen der Prims und der Nied, nahe der Kreuzungen der Fernstraßen Metz-Mainz, Trier-Straßburg und im Grenzgebiet der keltischen Stämme der Treverer und der Mediomatriker.

Die Bedeutung des Ortsnamens „Contiomagus" ist nicht eindeutig geklärt. Während man über Jahrzehnte davon ausging, dass es sich um eine Zusammensetzung  aus römisch „contio" = Zusammenfluss und keltisch „magos" = Marktort handele, geht die neuere Forschung Prof. Haubrischs davon aus, dass es sich um eine Zusammensetzung des keltischen Namens „ Contios" und „magos" handele, und somit Marktsiedlung des Contios bedeuten könnte.

Die meisten Siedlungsrelikte dieses römischen Vicus stammen aus dem 3. und 4. Jahrhundert, teilweise auf den Resten zeitlich früherer Bauten. Die Siedlung lag entlang zweier Straßen, im Südosten das frührömische Gräberfeld, im Westen davon die Werkstätten, im Nordwesten die Tempelanlage bzw. das spätrömische Kastell. Bei den Wohnhäusern handelt es sich durchweg um Gebäude mit mehreren Räumen und einer Ausstattung, die auf einen gewissen Wohlstand schließen lässt: Heizungen, eigene Brunnen, reichlich Keramik, Glas, Metallgegenstände, Reste von farbigem Wandputz.

Haupterwerbsquelle der Bewohner von Contiomagus dürften Handel und Handwerk gewesen sein. Gesichert sind Töpfer und Metallgießer. Man kann jedoch davon ausgehen, dass auch andere Handwerker in Contiomagus tätig waren, die für den lokalen Bedarf produzierten.

Zusammenfassend stellt sich der Vicus Contiomagus als eine Siedlung dar, die an einem verkehrsgünstigen Platz erbaut wurde, dessen Vorteile schon frühere Generationen genutzt hatten. Der nahe Limberg mit seiner Befestigungsanlage, Einzelfunden von älteren Kulturen und die frühe Nutzung der Siedlung beweisen, dass dieser Teil des Saartals schon vor der römischen Eroberung besiedelt war.

Jedoch erst mit dem Aufbau einer römischen Verwaltung, der Verkehrsanbindung an die großen Handelsstraßen und dem Eintreffen römischer Siedler wird aus dem heutigen Pachten ein dorfähnliches Gebilde, das seinen Höhepunkt im 1. und 2. Jahrhundert erlebte. Nach den Zerstörungen 275/276 wird die Siedlung wieder aufgebaut und scheint wieder eine gewisse Bedeutung erlangt zu haben. Nicht umsonst stand in diesem Vicus ein Kulttheater, und nicht umsonst sind Hinweise auf Kontakte mit dem Fernhandel vorhanden.

Als das Kastell erbaut wurde, um die römische Präsenz in der Region zu behaupten, gehen zwar Tempelbereich und Kulttheater unter, aber Siedlung und Kastell bestehen noch bis zum Ende des 4. Jahrhunderts. Es gibt sogar Hinweise, dass nach dem Untergang der Siedlung noch Merowinger in den Ruinen lebten oder zumindest dort ihre Toten bestatteten.